60 Jahre Eichkamp
Das „Internationale Studentenheim Eichkamp“ gibt es bereits seit Ende der 40er Jahre. Noch heute treffen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der „ersten Stunden“ regelmäßig und haben eine Tradition begründet, die über Studierendengenerationen überdauert und Höhen und Tiefen erlebt hat.
Die Idee, und einen Eichkamper kann das nicht überraschen, entstand in der Türkei. Dort existiert noch immer eine ganze Clique früherer Bewohner des Internationalen Studentenheims Eichkamp, dort trifft man sich immer wieder auch, um sich an die aufregende Studentenzeit im Berlin zu erinnern. Warum nicht mal wieder ein richtiges Eichkamp-Treffen in Eichkamp selbst, so die Frage.

Das Studentenheim Eichkamp spielte in Berlin immer eine ganz besondere Rolle, es wurde nämlich von Studenten selbst gegründet, aufgebaut und bis in die 50er Jahre hinein auch selbst verwaltet. Bereits 1946 entdeckten Architektur-Studenten der damaligen Hochschule für Bildende Künste (heute Universität der Künste) die Ruinen des ehemaligen Mommsen-Gymnasiums in Charlottenburg und hatten die Idee, sich dort angesichts der enormen Wohnungsnot eine Bleibe zu schaffen. Ein erstes „Work-Camp“ zum Wiederaufbau der Technischen Universität mit zahlreichen auch ausländischen Teilnehmern brachte im Sommer 1947 den Durchbruch: Reger Kontakt setzte zwischen den Teilnehmern ein und internationale Unterstützung zeichnete sich ab für den Aufbau eines internationalen Wohnheims unweit des Funkturms.
Der trümmerreiche Anfang
Von Januar 1948 an traf sich eine Gruppe engagierter Studenten auf dem Ruinengrundstück an der späteren Harbigstraße. Die „Eichkamper“, so nannten sich die Studenten bald, sicherten die abrissreifen Schulgebäude und enttrümmerten das Gelände. Und es gelang ihnen auch, den Magistrat (heute Senat) von ihren ungewöhnlichen Plänen zu überzeugen, auch die amerikanische und die (für Charlottenburg zuständige) britische Militäradministration unterstützten das Projekt. Im März gründete sich die „Vereinigung für Internationale Stu-dentenarbeit e.V. (VIStA)“, als Träger und in einem weiteren „Work-Camp“ konnten die ersten Räume bewohnbar hergerichtet werden. Trotz großen Geld- und Materialmangels gelang es den Studenten anschließend auch, das zweite ehemalige Schulgebäude soweit herzurichten, dass einige Zimmer bezogen werden konnten.
Internationale Beachtung
Die Leistung der Eichkamper fand damals große Anerkennung und das führte dazu, dass das Projekt von den Hochschulen und vom Magistrat finanziell unterstützt wurde, die internationale Aufmerksamkeit hatte dann auch zur Folge, dass z.B. die Quäker 1949 ausländische Aufbauhelfer nach Berlin entsandten, um den Eichkamp-Studenten zu helfen, zumal sich die VIStA ganz besonders der internationalen Verständigung verschrieben hatte, nicht zuletzt durch die Einrichtung von Doppelzimmern, in denen jeweils ein deutscher und ein ausländischer Kommilitone wohnten.
1949 fanden in den Räumen Eichkamps bereits 14 Studentinnen und Studenten eine Bleibe. Ihre Miete betrug, die Mahlzeiten eingeschlossen, 50 Mark im Monat. Mit einer großzügigen amerikanischen Spende errichteten sich die Eichkamper 1950/51 ihr Clubhaus, noch heute Mittel- und Treffpunkt des internationalen Studentenheims. In der Mitte der 50er dann gab es Neubaupläne und zur Realisierung wurde das damalige Studentenwerk Charlottenburg „ins Boot genommen“, die interne Verwaltung Eichkamps jedoch blieb bei der VIStA. Geadelt wurde das studentische Projekt Eichkamp 1955 durch einen Besuch des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuß.
Das Studentenheim Eichkamp wurde in der Folge in zwei Etappen durch Neubauten vergrößert, nach verschiedenen Umbauten wohnen heute dort 444 Studentinnen und Studenten aller Berliner Hochschulen auf einem inzwischen wunderbar zugewachsenen Grundstück mitten im Grünen. Die Gebäude stehen längst unter Denkmalschutz.
Allein die Historie dieses ungewöhnlichen Studentenheims führte zu einem ebenso ungewöhnlichen Zusammenhalt seiner Bewohner, der Ende der 80er und Mitte der 90er zu weite-ren Alteichkamper-Treffen führte, in den Jahren dazwischen trafen sich immer wieder frühere Bewohner im so genannten Bierkeller unter dem Clubhaus, einem ebenfalls selbstverwal-teten Ort, in dem viele auch viele Stunden ihrer Studienzeit verbracht hatten.
Das Treffen 2006
Eren Sagay aus Istanbul kam Anfang dieses Jahres nach Berlin. Er fand eine Reihe von Mitstreitern für das Internationale Eichkamp-Treffen 2006 und alle zusammen machten sich daran, Adressen zu sammeln und alte Kontakte aufzuwärmen. Axel Mühlthaler schickte zahllose Briefe in alle Welt, die Selbstverwaltung VIStA stellte das Clubhaus und den Bierkeller zur Verfügung. Und so nahte der 27. Mai 2006. Die Überraschung war groß, als sich bereits am Vorabend einige Dutzend Menschen aus vielen Herren Länder im Bierkeller einfanden. Am Tag des Eichkamp-Treffens selbst kamen weit mehr als 200 vormalige Eichkamper, teilweise nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder nach Berlin und feierten ein fröhliches Wiedersehen im Clubhaus, im Bierkeller und auf den Wiesen des Studentenheims. Dessen Bewohner sorgten für Essen und Trinken, „historische“ Filme, alte Fotos, auch vom Besuch des Bundespräsidenten, sowie der Auftritt einer Band rundeten das Fest ab. Und viele der „älteren“ Damen und Herren suchten ihre einstigen „Buden“ auf, sprachen mit den gegenwärtigen Bewohnern. Die Bilanz: Die Alteichkamper, sie kamen aus der Türkei, aus Mexiko, aus Island, Schweden, Norwegen, Frankreich, Italien, Griechenland und vielen anderen Ländern, werden die außerordentliche Geschichte des Studentenheims und der VIStA nun in eigener Regie als „Eichkamp-Chronik“ herausgeben. Und sie wollen die wieder aufgenommene Tradition fortsetzen: Ein nächstes Alteichkamper-Treffen ist bereits in Planung: Es soll, das kann nicht überraschen, in der Türkei stattfinden. Mehr dazu und zur Historie Eichkamps im Internet hier
Conrad Albrecht
Bilder aus den ersten Jahres des Wohnheims Eichkamp
| Unser Autor kam 1964 als Hochschulpraktikant der AEG nach Berlin. Er studierte Publizistik an der Freien Universität und wurde 1971 Chef der Selbstverwaltung VISTA des Studentenwohn-heims Eichkamp. Heute ist Conrad Albrecht Redakteur beim RBB-Kulturradio. |